Stadtgeschichte Bornheim
Dietrich Höroldt: Bornheim – Junge Stadt auf altem Kulturboden. Geschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart, Köln (Bachem) 2009
Lektorat: Dirk Reder, Geschichsbüro Reder, Roeseling & Prüfer
„Das ist ein wichtiger Schritt für die Stadt”, hob Bürgermeister Wolfgang Henseler hervor: „Damit wird Bornheim ein bisschen erwachsener.” Grund für die Euphorie des Bürgermeisters: Nach einer Vorbereitungszeit von rund vier Jahren konnte Mitte Dezember 2008 im Bornheimer Rathaus endlich die neue Bornheimer Stadtgeschichte vorgestellt werden. Rund 50 Bornheimer Bürger waren erschienen, um das neue Buch kennenzulernen. Auf 211 Seiten hat der ehemalige Bonner Stadtarchivar Professor Dieter Höroldt (81) die Geschichte Bornheims „von der Steinzeit bis in die Gegenwart” zusammengefasst und anregend erzählt. Ein Buch für alteingessene Bornheimer ebenso wie für die vielen tausend Neu-Bornheimer, die mehr über ihre neue Heimat wissen möchten.
Obwohl Bornheim erst 1981 zur Stadt erhoben wurde, können die Bornheimer auf eine lange Kulturgeschichte zurückblicken: Archäologische Funde aus der Steinzeit belegen eine Besiedelung der Region seit mindestens 7.000 Jahren. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Stadt stark von der Landwirtschaft geprägt. Heute bietet Bornheim eine bunte Vielfalt aus neuen Wohngebieten und alten Dorfkernen, alten Hofanlagen, Burgen, Kirchen, Obst- und Gemüsefeldern, Gemüsegärten und Gewerbegebieten.
Das vorliegende Werk beschreibt erstmals, wie sich die vierzehn Ortsteile zwischen Rhein und Ville langsam zur heutigen Stadt Bornheim entwickelten. Professor Höroldt erläutert zunächst die geografischen Gegebenheiten der Region, informiert über die archäologischen Funde und zeigt, was sich daraus über das Leben der Menschen von der Steinzeit bis zur Römerzeit schließen lässt. Über die römische Zeit von 55 vor bis 450 nach Chr. geben zahlreiche Gutshöfe (villa rustica), Weihesteine, Münzen oder das Mithras-Heiligtum in Sechtem Auskunft. Professor Höroldt präsentiert, was über Besiedlung, Wirtschaft, Straßenbau und religiöse Kulte in Bornheim bekannt ist.
Nach der nur dürftig überlieferten Frankenzeit (450 bis 925) lebt die Region Bornheim rund 1.000 Jahre „im alten Reich unter dem Krummstab”, also unter der Herrschaft des Kölner Erzbischofs. Höroldt beschreibt anschaulich, wie sich Landesherrschaft, Verwaltung, und Gerichtswesen entwickelten, erläutert den Aufbau der ständischen Gesellschaft, die Bedeutung des Adels und der Klöster, das religiöse Leben, die Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung, Gewerbe, Handel und Verkehr im Raum Bornheim sowie schließlich die Kriege und Naturkatastrophen jener Zeit. Zur Überraschung seiner Zuhörer erläuterte Höroldt, dass sich die mittelalterlichen Verhältnisse im Raum Bornheim bis Ende des 18. Jahrhundert erhalten haben, da Reformation und Aufklärung Bornheim kaum erreichten, und das alte Kurfürstentum Köln mit seinen Klöstern und Adligen sich nur sehr zögerlich modernisierte.
Die kurze Franzosenzeit von 1794 bis 1815 bedeutete für Bornheim dann jedoch das endgültige Ende der mittelalterlichen Strukturen und einen rasanten „Sprung in die Moderne”. Die folgenden hundert Jahre „Unter der Preußischen Krone” (1815–1914) prägen die Stadt bis heute. Professor Höroldt beschreibt das schwierige Verhältnis der Rheinländer zu den Preußen ebenso wie die politischen, wirtschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Jahre. Die Entwicklung von Landwirtschaft, Eisenbahn und Industrie spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die schwierigen Jahre 1914 bis 1949 fasst Höroldt unter dem Titel „Kriege, Krisen und Wiederaufbau” zusammen. Ausführlich beschreibt der Autor die Machtergreifung der Nationalsozialisten (die es im Vorgebirge zunächst schwer hatten, sich dann aber doch durchsetzten) und die Vernichtung der jüdischen Gemeinde.
Zum Schluss beschreibt Höroldt unter dem Titel „Auf dem Weg zur Stadt” die Entwicklung Bornheims in der Bundesrepublik und arbeitet dabei die zentralen Entwicklungsstränge in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Einwohnerentwicklung, Bauwesen, kirchlichem Leben, Schulen und Vereinswesen überzeugend heraus. Ein Schwerpunkt ist dabei die Entwicklung von der ländlich geprägten Großgemeinde zur heutigen „Stadt Bornheim”.
Mit zahlreichen neuen und alten Fotos, Karten und Grafiken ist das durchgängig vierfarbige Buch großzügig bebildert. Ein Anhang mit Bevölkerungsstatistiken, Wahlergebnissen und Literaturverzeichnis rundet das Buch ab, das für 24,90 Euro in allen Buchhandlungen erhältlich ist.
Der Autor:
Professor Dr. Dietrich Höroldt war von 1965 bis 1990 Leiter des Stadtarchivs Bonn und ist seit 1985 Lehrbeauftragter bzw. Honorarprofessor an der Universität zu Bonn. Professor Höroldt ist ein ausgewiesener Fachmann für die rheinische Geschichte und hat zahlreiche Untersuchungen und Darstellungen zur Kirchen-, Städte- und Landesgeschichte veröffentlicht, zuletzt den Schlussband der großen Bonner Stadtgeschichte.
Dr. Dirk Reder vom Kölner „Geschichtsbüro Reder, Roeseling & Prüfer” hat für den Bachem-Verlag das Lektorat des Buches übernommen.
Dietrich Höroldt: Bornheim – Junge Stadt auf altem Kulturboden.
Geschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart
224 Seiten, vierfarbig, mit zahlreichen Abbildungen
17,5 × 23,5 cm, gebunden, 24,95 Euro
ISBN: 978-3-7616-1627-7 (Bachem-Verlag)
erschienen im Dezember 2008
Professor Dietrich Höroldt wird 80
Bericht zur Buchpräsentation im Kölner Stadt-Anzeiger
Verhältnisse in Bornheim: Lange wie im Mittelalter
Von Uli Kreikebaum
Die Aufklärung drang nicht ins Vorgebirge vor, bis die Truppen der französischen Revolution das Gebiet besetzten. Die Präsentation des ersten Bornheimer Geschichtsbuchs fördert wenig Schmeichelhaftes über die Zustände in der Stadt zu Tage.
Bornheim – „Die Reformation spielte keine große Rolle, die Verhältnisse in Bornheim blieben lange wie im Mittelalter.” Was Autor Dietrich Höroldt zu Beginn der Präsentation des ersten Bornheimer Geschichtsbuchs gestern im Ratssaal des Rathauses sagte, lässt den eingefleischten Bornheimer zusammenzucken.
Höroldt (81), Professor an der Bonner Universität und Autor vieler Stadtgeschichtsbücher, versteht den Verweis auf die mittelalterlichen Verhältnisse freilich rein wissenschaftlich, wie er später achselzuckend klarstellte: Es sei nun mal so, dass die Macht der Stände im Kurfürstentum Köln immens gewesen sei, sich die Ausbildung eines aufgeklärten Staates „in der Region nur sehr zögerlich” vollzogen habe, so Höroldt. Die ländlichen Gebiete mussten mehr noch als die städtischen zur Freiheit gezwungen werden, ließe sich ketzerisch folgern.
Autor Höroldt würde das so nie formulieren. Er sei froh, dass der gebürtige Bornheimer Dr. Dirk Reder das Buch so lektoriert habe, dass es „für die Allgemeinheit lesbar” sei, sagte er mit feinem Lächeln.
Auf 213 Seiten, die durch 250 Abbildungen aufgelockert werden, spannt Höroldt in dem Buch einen Bogen von der Entstehung des Villerückens bis zur Gegenwart. Anschaulich, unterhaltsam und so umfassend, dass auch geschichtsbewusste Bornheimer auf manche bisher nicht bekannte Facette der Historie stoßen werden.
Weinanbau
Dass der fruchtbare Boden Menschen vor rund 7000 Jahren veranlasste, auf heutigem Bornheimer Boden sesshaft zu werden, dürfte noch bekannt sein. Dass der Weinanbau bis Ende des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte, schon weniger. Und wer, außer den Alten, weiß heute noch zu erklären, warum die Nationalsozialisten in und um Bornheim zwar „nur schwer Fuß fassten” (O-Ton Höroldt), schließlich aber doch die Gesinnung weiter Teile der Bevölkerung braun färbten, Synagogen anzündeten und Juden deportierten?
Das Buch, dass die Stadt Bornheim laut Bürgermeister Wolfgang Henseler „ein bisschen erwachsener macht”, gibt Antworten – auch unangenehme, die andernfalls Gefahr liefen, vergessen zu werden.
Gegliedert ist das Buch in acht Kapitel. Eher kurz hält Höroldt sich mit Frühgeschichte, Römer- und Frankenzeit auf. Die fast 1000 Jahre von 925 bis zur französischen Revolution fasst der Autor in einem Kapitel zusammen. Die Reformation habe keinen Einschnitt für das ländliche Gebiet bedeutet, daher verzichte auch das Buch auf eine Zäsur im 16. Jahrhundert.
Einen eigenen Abschnitt widmet Höroldt dem „französischen Zwischenspiel” von 1794 bis 1815, weil hier die Grundlagen für die moderne, standesunabhängige Gesellschaft gelegt worden seien.
Trotz anerkannter Kompetenz habe er gezögert, das Buchprojekt anzunehmen, gab gestern Höroldt zu. „Ich komme nicht aus Bornheim. Da kann man schnell danebenliegen.” Ohne die Hilfe der verstorbenen Stadtarchivarin Hildegard Heimig, die auch die Idee hatte, „hätte dieses Buch nicht entstehen können”. „Leider hat Frau Heimig die Fertigstellung nicht mehr erlebt”, so Sigrid Krebs, Sprecherin des Bachem-Verlags, der das Buch druckte. „Ich bin mir sicher: Ihr hätte es gefallen.”
Vorrätig ist das Geschichtsbuch in der Bornheimer Bücherstube, Hauptstraße 90.
Bonner Generalanzeiger 04.11.2006:
Bornheimer Burgherr verteidigte sich mit Kanonen
Bonner Geschichtsprofessor veröffentlicht Buch zur Geschichte von Bornheim – Die Darstellung beginnt in der frühen Antike – Kriege und eine späte, industrielle Entwicklung prägten das Vorgebirge
Von Bernhard Berger
Welche Probleme beschäftigen die Menschen im Vorgebirge: Ungepflegte Fußballplätze, beschmierte Hauswände, ein Loch im städtischen Etat?
Alles lächerliche Kleinigkeiten im Gegensatz zu dem, was dem friedlichen Landstreifen zwischen Bonn und Köln in seiner Vergangenheit widerfahren ist: Pestepidemie, Hungersnot und marodierende Heere – Dietrich Höroldt bräuchte viel Zeit, wenn er alle einschneidenden Ereignisse in Bornheims Geschichte aufzählen müsste.
Die Kurzfassung davon hat der ehemalige Bonner Stadtarchivar niedergeschrieben. Anfang 2007 soll das Buch „Junge Stadt auf altem Kulturboden. Geschichte der Stadt Bornheim” erscheinen.
„Ich könnte noch 20 Jahre weiter arbeiten, doch dann würde das Buch hinterher über 1 000 Seiten stark, ein echtes Kompendium”, meinte der 79-Jährige, der zuletzt als Professor an der Bonner Universität Archivkunde lehrte. Das Ergebnis seiner Recherchen wird nun nur 250 Seiten und 200 Abbildungen umfassen und beginnt bei den Ursprüngen der Besiedlung.
„Grundlegend war die geografische Situation mit begünstigtem Klima und fruchtbarem Boden.” Spuren der ersten Vorgebirgler sind 7 000 Jahre alt. Zu Zeiten Cäsars war die Gegend noch dicht bewaldet, und 50 nach Christus errichteten die Ubier bei Sechtem einen Tempel. Die „Walberberger” der Antike erwiesen sich als fleißige Töpfermeister, die ihre Keramik bis nach Skandinavien exportierten.
„In Roisdorf wiederum ist eine durchgehende Besiedlung von Römern bis zu Franken nachweisbar”, zeigt Höroldt ein Kernproblem seiner Forschung auf: „Es gibt keine Geschichte der Stadt Bornheim, sondern nur die von 14 kleinen Ortschaften.” So sei allein Sechtemer Boden im Besitz von 23 Adelsgeschlechtern, 24 Kirchen und sechs fremden Eigentümern gewesen. „Das ist nicht übersichtlich darstellbar.”
So griff Höroldt auf Unterlagen von Heimatforschern wie Josef Dietz, Norbert Zerlett, Horst Bursch, Heinz Offermann, Ralf Wilhelm Breuer, Jakob Lowey und Heinz Vorzepf sowie Stadtarchivarin Hildegard Heimig zurück. „Diese Hilfe war sehr wichtig, weil man als Ortsunkundiger schnell falsche Schlüsse zieht – Wissen über die Heimat, das ein Einheimischer bereits als Kind auf dem Fahrrad erworben hat, lässt sich einfach nicht aneignen”, so Höroldt.
Groß verändert habe sich Bornheim zwischen dem zehnten und dem 18. Jahrhundert nicht: Das Vorgebirge spielte in der großen Politik keine Rolle. Dafür hatten die Menschen zu leiden unter Kriegen, wenn Könige gegeneinander kämpften, der Kölner Erzbischof gegen nichtkirchliche Machthaber vorging, die Rösberger Burg vernichten ließ und Vorgebirgs-Höfe in Flammen aufgingen.
Karl V. etwa zog mit 23 000 Mann im Jahr 1543 Richtung Düren und richtete dabei im Vorgebirge Schäden in Höhe von 13 000 Gulden an. „Der Herr der Bornheimer Burg musste Soldaten anheuern, um sich mit Kanonen vor Plünderern zu schützen”, erfuhr Höroldt. Zum Angriff gingen die Walberberger 1643 über, als sie den Hessen bei ihrer Belagerung von Brühl in den Rücken fielen.
Die Schilderung des 19. Jahrhunderts beleuchtet eine Zeit, in der es mehr Arbeitskraft als Arbeit gab. „Dennoch konnten Tagelöhner gut überleben, weil sich fast alle Familien mit eigenem Obst und Gemüse versorgen konnten.”
Die Industrialisierung erlebten die Bornheimer zeitlich verzögert. Höroldt wertete Adressbücher aus den Jahren 1907 und 1932 aus und stellte erst dann den Rückgang des Bauernberufs und die Zunahme von Dienstleistungsberufen wie Ärzten und Rechtsanwälten sowie Eisenbahnmitarbeitern fest – ab 1844 fuhr die Dampflok von Koblenz nach Köln durch das Vorgebirge.
Die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur behandelt Höroldts Mitautor Albert Esser. „Der Zeitraum 1950 bis heute ist der schwierigste”, meinte Höroldt: „Da fehlt die historische Distanz, es gibt zu viele Quellen.” Wie er das Problem gelöst hat, darauf sind viele, die von dem Buch wissen, gespannt. Es wird sich Anfang nächsten Jahres zeigen, wenn das Buch zu einem Preis von 25 Euro auf den Markt kommt.
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