Deutzer Gaswerke

Dirk Reder: Die Deutzer Gaswerke „Christian Schaurte” 1843–1902
Jahrbuch für das Rechtsrheinische Köln Bd. 27 (2002)

Mitte der 1860er Jahre war die Deutzer (heute Köln-Deutz) Öffentlichkeit tief gespalten. Zwei Gruppen standen sich feindlich gegenüber und bekämpften einander im Rat und in der Öffentlichkeit: Es gab Rücktrittsforderungen und Rücktritte, Petitionen und Beschwerden bei der Regierung, wütende Flugblätter wurden verteilt, mit Geschäftsordnungstricks Debatten im Stadtrat verhindert und Beleidigungen ausgetauscht. Von Geschäftemacherei auf Kosten der Allgemeinheit war die Rede, von Wucherpreisen. Es gab Wahlmanipulationen, Neuwahlen und schließlich eine Bürgerinitiative.

In der heftigen Auseinandersetzung um das Leuchtgasmonopol der Gaswerke „Christian Schaurte” kristallisierten sich im Deutzer Stadtrat die Parteien der Konservativen und Liberalen heraus. Die bürgerliche Eintracht früherer Jahre zerfiel in gegnerische Fronten. Dabei ging es nicht zuletzt um die immer noch aktuelle Frage, ob öffentliche Betriebe oder Privatunternehmen die Versorgung der Bevölkerung übernehmen sollen. Es geht aber auch um das bemerkenswerte Geschick eines einzelnen Unternehmers, sich viele Jahre lang Konkurrenz vom Hals zu halten, seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein und dabei ordentlich zu verdienen.

Diese Unternehmensgeschichte der Deutzer Gaswerke „Christian Schaurte” ist also mehr als die Geschichte eines kleinen Gaswerks, das von 1844 bis 1901 die Straßenbeleuchtung einer rheinischen Kleinstadt übernahm. Es ist ein wichtiger Teil der Kölner Industrialisierungsgeschichte im 19. Jahrhundert. Findige Unternehmer witterten den enormen Markt, die Städte aus dem Halbdunkel flackernder Öllampen ins helle Licht der Gasflammen zu führen. Es lag dem Denken einer Kommunalverwaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert völlig fern, solche Neuerungen in eigener Regie auszuführen, und so übertrugen sie diese Aufgabe risikofreudigen Unternehmen. Wenn dann ein Unternehmer für sich ein langjähriges Monopol durchsetzen konnte – was nicht unüblich war – dann hatte er leichtes Spiel und konnte der Stadt Lieferbedingungen und Preise diktieren. Dass dies zu schweren (und heute spannend zu lesenden) Auseinandersetzungen innerhalb der Städte führen konnte, ist nicht weiter überraschend.

Dieser Text des Geschichtsbüros Reder & Roeseling, entstand im Auftrag von Herrn Dietrich Georg Paeffgen (Waidmarkt 4, 50676 Köln), einem Enkel des Franz Schaurte (1846–1903) und Urenkel der Sibylla Margaretha Kneusels, verw. Schaurte verw. Kellner (1828–1907).

Aus dem Inhalt

.pdf Gesamttext DIE DEUTZER GASWERKE "CHRISTIAN SCHAURTE" (.pdf, 244 kB)


Zurück zu:



 

© Geschichtsbüro Reder, Roeseling & Prüfer – [ Kontakt / Impressum ]