Kaliverein, Kassel

Johannes U. Müller: 100 Jahre Kaliverein 1905–2005, Kassel 2005

Der Blick zurück auf 100 Jahre Kaliverein offenbart die vielfältigen Traditionen eines vitalen Wirtschaftsverbands, der sich beherzt den Herausforderungen der Geschichte stellte.
Seine Gründung als Verein der Deutschen Kaliinteressenten im Jahre 1905 erfolgte in einem schwierigen Umfeld. Der Verein etablierte sich aber schnell als anerkannter wirtschaftlicher Interessenverband. Im Ersten Weltkrieg und in den revolutionären Wirren der Nachkriegszeit bewährte er sich als Krisenmanager.
An der wirtschaftlichen und politischen Neuordnung Deutschlands in der Weimarer Zeit wirkte der Kaliverein konstruktiv mit, zum Beispiel durch die Übernahme tarifpolitischer Verantwortung und die Gründung des Arbeitgeberverbands der Kaliindustrie (1919). Die nationalsozialistische Machtübernahme schränkte den verbandspolitischen Einsatz des Vereins zwar drastisch ein. Es gelang ihm jedoch, ein geringes Maß an eigenständiger Organisation aufrechtzuerhalten.
Daran konnte die Kaliwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs anknüpfen. Im wirtschaftlichen Neubeginn nach 1945 übernahm der Kaliverein deshalb eine wichtige Rolle. In den 1950er und 1960er Jahren koordinierte er erfolgreich die Modernisierung der Kaliindustrie. Die tarifpolitische Kompetenz des Vereins, aber auch seine integrative Funktion waren besonders in den 1970er und 1980er Jahren gefordert, in denen die Kaliindustrie einen grundlegenden Wandel erlebte.
Den wirtschaftlichen Herausforderungen der deutschen Einheit begegnete der Kaliverein mit bemerkenswerter Offenheit und Flexibilität. Nach einem Jahrhundert verbandspolitischer Tätigkeit hat sich der Kaliverein heute zu einem international agierenden Wirtschaftsverband entwickelt.

Zum 1. Januar 2006 verschmolz der Kaliverein e. V. mit dem Verein Deutsche Salzindustrie e. V. zum Verband der Kali- und Salzindustrie (VKS) e.V.

Und das sagen unsere Leser:
„(...) Ich nutze die Gelegenheit, Ihnen zu der gelungenen Festschrift zu gratulieren und Ihnen zu danken, dass die 100jährige Geschichte des Kalivereins in einem so schönen Band festgehalten ist. Herr Müller hat diese mit großem Einsatz recherchiert und gut lesbar niedergeschrieben.(...) „ (Otto Lenz, 12. Januar 2006)

Kapitel I
Eine Notlösung macht Karriere. Die Gründerjahre des Kalivereins (1905–1918)

1905 gegründet, gehörte der „Verein der Deutschen Kaliinteressenten” zu den Pionieren der wirtschaftlichen Interessenvertretung in Deutschland: Schnell entwickelte er ein eigenes Profil als Berater und Repräsentant seiner Mitglieder in rechtlichen und technischen Fragen. In einer Zeit harter Konkurrenz unter den zeitweise mehr als 200 Kaliunternehmen etablierte sich der Verein innerhalb eines Jahrzehnts als anerkannte Interessenvertretung der deutschen Kaliindustrie. Im Ersten Weltkrieg übernahm er in den Jahren 1914 bis 1918 staatliche Aufgaben wie die Verteilung von Mängelgütern und bewährte sich als Krisenmanager.

Kapitel II
Von Krieg zu Krieg. Der Kaliverein in der Weimarer Republik und im NS-Staat (1919–1945)
In der Weimarer Republik übernahm der Verein erstmals auch die Aufgabe eines Arbeitgeberverbandes und schloss im Frühjahr 1919 den ersten Flächenlohntarifvertrag in der deutschen Kaligeschichte ab. Noch im selben Jahr wurde auf Initiative des Vereins der „Arbeitgeberverband der Kaliindustrie” gegründet. Der „Kaliverein” – wie er seit 1922 offiziell heißt – konzentrierte sich in den 1920er Jahren auf die rechtliche und bergtechnische Interessenvertretung der deutschen Kaliindustrie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor der Verein an Einfluss und wurde in das NS-Wirtschaftssystem eingegliedert.

Kapitel III
Neuanfang im geteilten Deutschland (1945–1971)
Im Februar 1945 entsandte der Kaliverein eine Arbeitsgruppe von Berlin nach Hannover, die nach Kriegsende den Neubeginn der Kaliindustrie in der britischen Besatzungszone mitgestaltete. Die in der sowjetischen Besatzungszone liegende Berliner Zentrale war nicht mehr handlungsfähig. Ab 1948 vertrat die Hannoveraner Gruppe die Interessen der Kaliindustrie in allen drei westlichen Besatzungszonen. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 übernahm der Kaliverein zudem auch wieder tarifpolitische Aufgaben. Als Industrieverband förderte er in den 1950er und 1960er Jahren das schnelle Wachstum der westdeutschen Kaliindustrie.

Kapitel IV
In Zeiten des Wandels. Von der Kali-Fusion zur deutschen Einheit (1971–1993) In der Zeit des grundlegenden Wandels der westdeutschen Kaliindustrie um 1970 verkörperte der Kaliverein die Kontinuität der Branche. Er stand für technische Kompetenz, umweltpolitisches Engagement und Tarifpartnerschaft. Mit seiner breit gefächerten Ausschussarbeit unterstützte der Verein in den wirtschaftlich schwierigen 1970er und 1980er Jahren die Anstrengungen der deutschen Kaliindustrie, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Den Prozess der deutschen Vereinigung gestaltete der Kaliverein seit 1990 als Tarifverhandlungspartner mit.

Kapitel V
Im Zeichen der Globalisierung. Der Kaliverein auf dem Weg ins 21. Jahrhundert (1993–2005)
Die Vereinigung der ost- und westdeutschen Kaliindustrie unter dem Dach der „Kali und Salz GmbH” im Jahr 1993 prägte auch die Arbeit des Kalivereins. Im Modernisierungs- und Umstrukturierungsprozess der 1990er Jahre war er vor allem als Tarifpartner gefragt. Mit der 1995 erzielten Einigung auf eine schnelle Angleichung der Löhne und Gehälter in Ost und West übernahm der Kaliverein eine Vorreiterrolle. Zugleich engagierte er sich immer stärker auf internationaler Ebene. Der Zusammenschluss mit dem „Verein der Deutschen Salzindustrie” im Jahr 2006 soll den politischen Einfluss der beiden verwandten Branchen noch einmal steigern.



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