Austria Email AG

150 Jahre Dampf, Stahl und heißes Wasser. Die Geschichte der Austria Email AG, Knittelfeld (1855-2005)

Die Geschichte der Austria Email AG, dem ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs und einem der führenden Hersteller von Heißwassergeräten, ist so vielfältig und abwechslungsreich wie kaum eine andere Firmengeschichte.
Die historische Spurensuche führt zurück bis in die Pioniertage des europäischen Eisenbahnbaus: Es war die Silvesternacht 1854, als kurz vor 24 Uhr eine illustre Runde von einflussreichen internationalen Financiers und hohen österreichischen Staatsbeamten in Wien zusammentrat und einen Vertrag über den Kauf der nördlichen und südöstlichen Staatsbahnen Österreichs sowie einiger Strecken in Ungarn unterzeichnete. Am Neujahrsmorgen des Jahres 1855 gab es im Habsburgerreich eine neue Privatbahn: die „k. k. priv. österreichische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft” (StEG). Der Kaufpreis war mit 170 Millionen französischer Francs oder 65,45 Millionen österreichischer Gulden gigantisch.
Dafür erhielten die Käufer jedoch auch einiges: zu dem beachtlichen Schienennetz, das in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut wurde, kamen zahlreiche Nutzungsrechte von Berg- und Hüttenwerken, Forsten und Staatsgütern in Böhmen und im Banat. Das Unternehmen, das am 20. Februar 1855 an die Wiener Börse ging, war damals nicht nur die größte private Eisenbahngesellschaft der Habsburger Monarchie, sondern auch ein beeindruckendes Industrieimperium.
Die StEG wuchs und gedieh: Das Unternehmen baute eine Verbindungsstrecke zwischen der nördlichen und der südöstlichen Bahnlinie, die von Brünn über Wien nach Marchegg führte, und zahlreiche Eisenbahnlinien in Ungarn, insgesamt 2.850 km. Zudem investierte die StEG kräftig in ihren Industriebesitz in Böhmen und in die Industrialisierung des Banats. 1859 gründete sie ein eigenes „Provisions- und Unterstützungs-Institut” für ihre Angestellten, das 1864 18.000 Mitglieder zählte. 1882 richtete die StEG eine zweite Direktion in Budapest ein und nannte sich nun „k. k. priv. österreichisch-ungarische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft”, 1891 wurden die ungarischen, 1909 die österreichischen Eisenbahnlinien der StEG verstaatlicht.
Was blieb, war der enorme Industrie- und Landbesitz in Tschechien und Ungarn sowie eine Lokomotivfabrik in Wien. Die Niederlage der Habsburgermonarchie im Ersten Weltkrieg führte zum Verlust der tschechischen und ungarischen Besitzungen der StEG, die nun zwar über ein großes Kapital und zahlreiche Beteiligungen, aber nur noch über einen einzigen Betrieb, die Wiener Lokomotivfabrik, verfügte. Die Geschäftsführung beschloss dann eine radikale Wende: Ende der 1920er Jahre verabschiedete sich die StEG vom Lokomotivbau und kaufte im Abstand von einigen Jahren mehrere Firmen auf, die emaillierte Metallwaren und anderes herstellten. 1940 erhielt das Firmenkonglomerat einen neuen Namen: „Austria Vereinigte Emaillierwerke, Lampen- und Metallwarenfabrik Aktiengesellschaft”.
Nach dem Krieg waren große Teile der Werkanlagen in Wien und Knittelfeld zerstört oder durch Demontage unbrauchbar. Doch das Engagement der Mitarbeiter und die Weichenstellungen der Geschäftsführung führten schnell zum Wiederaufbau. Die Firma spezialisierte sich neben der Herstellung von Emailgeschirr und -geräten auf die Produktion von Heiz- und Kochgeräten aller Art. 1955 beschäftigte die „Austria Vereinigte Emaillierwerke, Lampen- und Metallwarenfabrik Aktiengesellschaft” schon wieder 3.500 Mitarbeiter. Die Erfindung der Vakuumemaillierung von Hohlkörpern und die Serienproduktion vakuumemaillierter Wasserspeicher brachte in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre noch einmal eine explosionsartige Umsatzsteigerung. Doch der ruinöse Wettbewerb auf dem Heiz- und Kochgerätemarkt und die Folgen der großen Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren führten zur Schließung der Werke in Simmering (1968) und Ottakring (1979). Was blieb, waren die Leuchtenfertigung und die Verwaltung in Wien sowie das traditionsreiche, 1874/75 gegründete Werk in Knittelfeld, das zur Keimzelle der Reorganisation in den 1980er und 1990er Jahren wurde. Heute hat sich die Austria Email AG in Knittelfeld als führender Hersteller von Heißwassergeräten in Österreich behauptet: mit einem steigenden Export innerhalb der EU, vor allem nach Deutschland.
Heute ist AUSTRIA EMAIL der größte österreichische Hersteller von emaillierten Warmwasserbereitern.

Die Geschichte auf der AE-Homepage



Aus dem Inhalt

.pdf Kapitel 1 (.pdf, 1794 kB)
.pdf Kapitel 2 (.pdf, 1112 kB)
.pdf Kapitel 3 (.pdf, 1081 kB)
.pdf Kapitel 4 (.pdf, 1162 kB)
.pdf Kapitel 5 (.pdf, 1007 kB)
.pdf Kapitel 6 (.pdf, 833 kB)
.pdf Kapitel 7 (.pdf, 667 kB)
.pdf Kapitel 8 (.pdf, 654 kB)
.pdf Kapitel 9 (.pdf, 698 kB)


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