JF. Carthaus, Bonn
JF. Carthaus in Bonn, 1852–2002. 150 Jahre Stadtgeschichte, Bonn 2002
Aufmerksame Leser der „Bonner Zeitung” konnten in der Ausgabe vom 11. Juli 1852 eine kleine Anzeige entdecken, in der ein gewisser Joseph Franz Carthaus die Eröffnung einer Buchdruckerei in der Hundsgasse 1094½ am Tag zuvor bekannt gab. Mit diesem Schritt bewies der junge Mann Wagemut und Weitsicht. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten legte er den Grundstein für ein Unternehmen, das seit 150 Jahren Teil der Bonner Stadtgeschichte ist. Die Druckerei, die mit zwei Handpressen begann, profitierte vom schnellen Wachstum der Universitäts- und Rentnerstadt, besaß Ende der 1860er bereits zwei Schnellpressen und eine Dampfmaschine und stieg um die Jahrhundertwende zu einem der führenden Bonner Unternehmen auf.
Schon früh erschloss sich die Firma Geschäftsfelder, die bis heute die Grundpfeiler des Unternehmens sind. Die Söhne des Firmengründers, Joseph, Mathias und Peter Carthaus, bauten die Druckerei aus und erwarben sich einen überregionalen Ruf als Fachleute für anspruchsvolle Druckarbeiten. 1887 gründeten sie in der Remigiusstraße unmittelbar gegenüber der Universität ein „Papier- und Schreibwaaren-Geschäft”, das schon bald zu den führenden Bonns zählte. Im Jahre 1900 übernahm die Firma zudem den Druck des Bonner Adressbuchs – ein lukrativer Geschäftszweig, denn die Einwohnerzahl Bonns wuchs beständig und die Fluktuation war schon damals ungewöhnlich groß. Mit dem geschäftlichen Erfolg kam auch der gesellschaftliche Aufstieg. Als „Hoflieferanten” des deutschen Kronprinzen gehörten die Brüder Carthaus zur Oberschicht der Stadt.
Die Grundlagen des Unternehmens waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts so stabil, dass die Firma JF. Carthaus die Krisenjahre der Weimarer Republik, die NS-Diktatur und die Zerstörung des Geschäftshauses gegen Ende des Zweiten Weltkrieges überstand. Nach 1945 gelang dem Enkel des Firmengründers, Robert Carthaus, und dessen Sohn Helmut der schnelle Wiederaufbau. Die Bonner Bürger, die Universität und die Bundesregierung mit ihren Behörden vertrauten dem guten Ruf und dem über mehrere Generationen erworbenen Können des Traditionsunternehmens, das weiterhin einen ausgeprägten Sinn für neue Trends bewies. Beides, Traditionsbewusstsein und Innovationsfähigkeit, sind bis heute die Grundlagen des Erfolgs der Firma JF. Carthaus. Das zeigt der Aufbau eines neuen Verlags- und Verwaltungsgebäudes, der Ausbau der Druckerei und der Umbau des Ladengeschäftes in der Remigiusstraße, der die Konturen des Alten bewahrt und daraus ein modernes Kaufhaus mit Panoramaaufzug und Erlebnisetagen macht.
Carthaus und Bonn — das sind seit 150 Jahren zwei ineinander verwobene Geschichten, die das Buch in Text und Bild erzählt. Der Leser taucht ein in die spannende Geschichte des modernen Bonn, erlebt die Preußenzeit, den Aufstieg zur Universitäts- und Rentnerstadt im 19. Jahrhundert, die schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, den Wiederaufstieg als politisches Zentrum der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 und den Wandel zur Bundes- und UN-Stadt nach 1990. Mittendrin: die Familie Carthaus. Seit dem 18. Jahrhundert Bonner Bürger und Geschäftsleute, spiegelt und verdichtet sich in ihrer Geschichte das Geschick der Stadt.
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